Welcher Fisch gehört zu Weihnachten? Traditionen, Geschichte und festliche Rezepte
Gänsebraten, Kartoffelsalat und Würstchen gehören heute für viele Familien selbstverständlich zu Weihnachten. Doch mindestens ebenso traditionsreich ist Fisch auf der festlichen Tafel. Besonders an Heiligabend haben Fischgerichte in Deutschland eine lange Geschichte.
Ob klassischer Weihnachtskarpfen, Heringssalat, feine Forelle oder festlicher Lachs: Fisch passt hervorragend zu Weihnachten und lässt sich sowohl traditionell als auch modern zubereiten.
Doch woher kommt eigentlich der Brauch, an Weihnachten Fisch zu essen?
Warum isst man an Heiligabend traditionell Fisch?
Der Ursprung liegt in der christlichen Fastentradition. Über viele Jahrhunderte galt die Adventszeit als Fastenzeit und auch der Heiligabend war noch ein Fastentag. Fleisch durfte deshalb nicht gegessen werden – Fisch dagegen schon.
Das eigentliche üppige Festessen folgte traditionell erst am ersten Weihnachtsfeiertag.
So kamen an Heiligabend besonders häufig Fischgerichte auf den Tisch. Welche Fischart serviert wurde, hing dabei stark von der jeweiligen Region und der Verfügbarkeit ab.
Im Binnenland entwickelte sich vor allem der Karpfen zum klassischen Weihnachtsfisch. An den Küsten spielten dagegen Hering und andere Meeresfische eine wichtige Rolle.
Heute sind die Regeln natürlich längst nicht mehr ausschlaggebend. Die Tradition des Weihnachtsfisches ist jedoch geblieben – und wurde um viele moderne Varianten erweitert.
1. Weihnachtskarpfen – der Klassiker unter den Weihnachtsfischen
Kaum ein Fisch ist so eng mit dem traditionellen Weihnachtsessen verbunden wie der Karpfen.
Bereits im Mittelalter wurden Karpfen in Klosterteichen gezüchtet. Für die Mönche war der gehaltvolle Fisch während der zahlreichen fleischlosen Fastentage eine wichtige Speise.
Später entwickelte sich der Karpfen zu einem besonderen Festessen. Bis heute kommt er in vielen Familien an Weihnachten oder Silvester auf den Tisch.
Eine der bekanntesten Zubereitungen ist der Karpfen blau. Dabei sorgt Essig dafür, dass sich die natürliche Schleimschicht der Fischhaut bläulich verfärbt.
Rezept: Karpfen blau mit Kartoffeln und Meerrettich
Einkaufsliste für 4 Personen
-
1 küchenfertiger Karpfen, ca. 1,5–2 kg
-
2 Liter Wasser
-
250 ml Weißweinessig
-
2 Zwiebeln
-
2 Möhren
-
1 kleine Stange Lauch
-
2 Lorbeerblätter
-
6 Pfefferkörner
-
Salz
-
1 kg kleine Kartoffeln
-
1 Glas Sahne-Meerrettich
-
1 Bund Petersilie
-
1 Bio-Zitrone
Zubereitung
Zwiebeln, Möhren und Lauch grob schneiden und gemeinsam mit Lorbeerblättern, Pfefferkörnern und Salz in einen großen Topf geben.
Wasser hinzufügen und etwa 15 Minuten leicht köcheln lassen.
Den Karpfen möglichst vorsichtig behandeln, damit die natürliche Schleimschicht auf der Haut erhalten bleibt.
Essig erhitzen und langsam über die Haut des Karpfens geben. Anschließend den Fisch vorsichtig in den heißen Sud legen.
Den Karpfen bei niedriger Temperatur etwa 25 bis 30 Minuten ziehen lassen. Der Sud sollte dabei nicht stark kochen.
Währenddessen die Kartoffeln garen.
Den Karpfen mit Salzkartoffeln, Sahne-Meerrettich, Petersilie und Zitronenspalten servieren.
Tipp
Eine alte Tradition besagt, dass eine Schuppe des Weihnachtskarpfens im Portemonnaie Glück und Geld für das kommende Jahr bringen soll.
2. Heringssalat – Weihnachtsklassiker aus dem Norden
Während der Karpfen vor allem im Binnenland eine lange Weihnachtstradition besitzt, spielte an den Küsten naturgemäß der Hering eine größere Rolle.
Hering war verfügbar, ließ sich durch Salzen und Einlegen hervorragend haltbar machen und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der norddeutschen Küche.
Heringssalat gehört deshalb in vielen Familien bis heute zu Heiligabend oder zum Weihnachtsfrühstück.
Besonders schön daran: Er lässt sich bereits am Vortag vorbereiten und schmeckt oft sogar noch besser, wenn er einige Stunden durchziehen konnte.
Rezept: Klassischer Heringssalat mit Apfel und Roter Bete
Einkaufsliste für 4 Personen
-
400 g Heringsfilets
-
250 g gekochte Rote Bete
-
2 säuerliche Äpfel
-
4 Gewürzgurken
-
1 kleine rote Zwiebel
-
150 g Naturjoghurt
-
100 g Schmand
-
1 EL Gurkenwasser
-
1 TL mittelscharfer Senf
-
1 TL Zitronensaft
-
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
-
1 kleines Bund Dill
-
optional 500 g kleine Kartoffeln
Zubereitung
Die Heringsfilets in mundgerechte Stücke schneiden.
Rote Bete, Äpfel und Gewürzgurken klein würfeln. Die Zwiebel sehr fein schneiden.
Joghurt, Schmand, Gurkenwasser, Senf und Zitronensaft zu einer cremigen Sauce verrühren.
Hering, Rote Bete, Apfel, Gurke und Zwiebel vorsichtig unterheben.
Mit frisch gemahlenem Pfeffer und gehacktem Dill abschmecken.
Den Heringssalat mindestens zwei Stunden, am besten aber über Nacht, im Kühlschrank durchziehen lassen.
Mit frischem Brot oder kleinen Pellkartoffeln servieren.
Tipp
Wer den Heringssalat etwas fruchtiger mag, kann zusätzlich eine kleine Orange filetieren und die Stücke vorsichtig unterheben.
3. Forelle – feiner Fisch für die festliche Tafel
Auch heimische Süßwasserfische wie Forellen eignen sich hervorragend für Weihnachten.
Forelle lässt sich unkompliziert zubereiten und wirkt trotzdem festlich. Besonders klassisch ist die Zubereitung nach Müllerin Art: Der Fisch wird leicht mehliert und anschließend goldbraun in Butter gebraten.
Mit Petersilienkartoffeln und Zitronenbutter entsteht daraus ein Weihnachtsessen, das festlich ist, ohne stundenlange Vorbereitung zu benötigen.
Rezept: Forelle Müllerin Art mit Petersilienkartoffeln
Einkaufsliste für 4 Personen
-
4 küchenfertige Forellen
-
5 EL Mehl
-
80 g Butter
-
2 EL Pflanzenöl
-
2 Bio-Zitronen
-
1 Bund Petersilie
-
1 kg kleine Kartoffeln
-
Salz
-
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Zubereitung
Die Kartoffeln schälen und in Salzwasser gar kochen.
Forellen sorgfältig trocken tupfen und innen sowie außen mit Salz und Pfeffer würzen.
Anschließend leicht in Mehl wenden und überschüssiges Mehl abklopfen.
Öl und etwa die Hälfte der Butter in großen Pfannen erhitzen.
Die Forellen je nach Größe etwa 5 bis 7 Minuten pro Seite goldbraun braten.
Die restliche Butter hinzufügen und leicht aufschäumen lassen. Etwas Zitronensaft dazugeben und die Forellen mit der heißen Zitronenbutter übergießen.
Kartoffeln abgießen und mit frisch gehackter Petersilie vermengen.
Forellen zusammen mit Petersilienkartoffeln und Zitronenspalten servieren.
Tipp
Ein frischer Gurkensalat passt hervorragend dazu und bringt etwas Leichtigkeit auf den Weihnachtsteller.
4. Lachs – der moderne Weihnachtsklassiker
Lachs gehört zwar nicht zu den ältesten deutschen Weihnachtsbräuchen wie Karpfen oder Hering, hat sich aber längst einen festen Platz auf vielen festlichen Tafeln erobert.
Seine kräftige Farbe, sein saftiges Fleisch und die vielseitigen Zubereitungsmöglichkeiten machen ihn ideal für Weihnachten.
Räucherlachs eignet sich hervorragend für Vorspeisen und ein festliches Frühstück. Ein saftiges Lachsfilet aus dem Ofen kann dagegen problemlos die Hauptrolle im Weihnachtsmenü übernehmen.
Rezept: Ofenlachs mit Honig-Senf-Kruste und Dill
Einkaufsliste für 4 Personen
-
800 g Lachsfilet
-
2 EL mittelscharfer Senf
-
1 EL Dijon-Senf
-
2 EL Honig
-
1 Bio-Zitrone
-
2 EL Olivenöl
-
1 kleines Bund Dill
-
Salz
-
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Beilage
-
800 g kleine Kartoffeln
-
400 g grünes Gemüse, beispielsweise Brokkoli oder grüne Bohnen
-
30 g Butter
Zubereitung
Den Backofen auf 190 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
Das Lachsfilet trocken tupfen und mit der Hautseite nach unten in eine leicht geölte Auflaufform legen.
Mittelscharfen Senf, Dijon-Senf und Honig miteinander verrühren.
Etwas Zitronenabrieb und einen Spritzer Zitronensaft hinzufügen.
Den Lachs leicht salzen und pfeffern und anschließend gleichmäßig mit der Honig-Senf-Mischung bestreichen.
Im heißen Backofen je nach Dicke etwa 18 bis 22 Minuten garen.
Währenddessen Kartoffeln und Gemüse zubereiten.
Den fertigen Lachs mit reichlich frischem Dill bestreuen und zusammen mit Kartoffeln, Gemüse und Zitronenspalten servieren.
Tipp
Für ein Weihnachtsbuffet lässt sich dieses Rezept auch mit einer ganzen Lachsseite zubereiten. Auf einer großen Platte mit Dill und Zitronenscheiben angerichtet wird daraus ein schöner Mittelpunkt des Buffets.
Fisch zu Weihnachten – Tradition darf sich verändern
Welcher Fisch an Weihnachten auf den Tisch kommt, war schon früher eine Frage der Region.
Während Karpfen im Binnenland zum klassischen Weihnachtsfisch wurde, gehörten Hering und andere Meeresfische besonders im Norden zum Alltag und zu den Festtagen.
Heute ist die Auswahl wesentlich größer. Neben den traditionellen Gerichten haben sich Lachs, Forelle, Räucherfisch und viele weitere Fischspezialitäten ihren Platz auf der Weihnachtstafel erobert.
Das Schöne daran: Eine Tradition muss nicht bedeuten, jedes Jahr exakt dasselbe Gericht zu kochen.
Vielleicht gibt es an diesem Weihnachten einen klassischen Heringssalat zur Vorspeise, saftigen Lachs als Hauptgericht – oder Sie entdecken einen Fisch wieder, den schon Ihre Großeltern an den Feiertagen serviert haben.
Denn am Ende ist Weihnachten vor allem eines: eine Zeit für gutes Essen, gemeinsame Stunden und Gerichte, an die man sich gerne erinnert.

